Neukirchener Butterbirne

Von Bann, 14. April 2015
Kurzbeschreibung
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Die Ernte erfolgt Anfang September, die Früchte bleiben ca. 2 bis 3 Wochen lagerfähig.
Herkunft
Die genaue Herkunft und der Entstehungszeitpunkt der Neukirchener Butterbirne sind nicht bekannt. Die Sorte dürfte in Neukirchen (bei Solingen) im Bergischen Land entstanden sein und war dort bereits im 19. Jahrhundert bekannt. Um 1900 scheint sie bereits in großem Stil angebaut und in die umliegenden Städte verkauft worden zu sein. „Gewisse Sorten, wie die Köstliche (von Charneux) und die Neukirchener Butterbirne bereicherten sogar den Hamburger und den Berliner Markt oder füllten die Kessel der Hannover’schen Marmeladefabriken“, schreibt Hinrichs (in: „Die Bergische Obstkammer“, 1949, S. 23) über diese Zeit. Auch Alfred Bartel, in den 1950er Jahren Kreisobstbauinspektor im Kreis Solingen, hielt große Stücke auf diese Sorte: „Es kann daneben als ein Glück für unser Gebiet betrachtet werden, dass die hinreichend fortschrittlichen Obstanbauer rechtzeitig die Sorten Clapps Liebling, Köstliche von Charneu und Neukirchener Butterbirne (Lokalsorte) in ihr Sortiment mit aufgenommen haben. Das sind die Sorten, die durch ihr großes Angebot der Obstkammer den Ruf eines bekannten Birnenanbaugebietes eingebracht haben“ (in: „Der Obstbau im Rhein-Wupper-Kreis und in Leverkusen“, 1955, S. 29). Bei einer systematischen Umveredelungsaktion zur Sortenbereinigung im Rhein-Wupper-Kreis in den Jahren 1951 bis 1955 entfielen bei den zum Umveredeln verwendeten Birnensorten allein auf Neukirchener Butterbirne 37 % (auf Charneux dagegen „nur“ 31 %), was den großen Stellenwert dieser lokalen Birnensorte für den Bergischen Obstmarkt bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg belegt.
Verbreitung
Heute ist die Sorte im Streuobst nur noch wenig anzutreffen. Auch in Baumschulen wird die Neukirchener Butterbirne kaum noch angeboten. Die Früchte der Neukirchener Butterbirne können als Tafel und Wirtschaftsbirne verwendet werden. Die Ernte erfolgt Anfang September, die Früchte bleiben ca. 2 - 3 Wochen lagerfähig.
Frucht
Frucht mittelgroß, birnenförmig, kelchbauchig, zum Stiel hin teils regelmäßig verjüngt, teils einseitig eingeschnürt. Im Querschnitt etwas kantig. Stielgrube fehlend, Stiel auf einseitig ansetzendem Fleischwulst aufsitzend oder von diesem etwas seitlich gedrückt; mittellang, mitteldick bis dick, öfters gebogen, am Ende keulig verdickt, am Fruchtansatz verstärkt und/oder in Fleischwulst übergehend; holzig, am Ansatz auch grün. Kelchhöhle klein, schüsselförmig mit kleinem Röhrenansatz; Kernhaus kelchseitig, mit auffallend geöffneter Achse; Samenfächer groß (stielseitig zugespitzt, kelchseitig abgerundet). Fruchtfleisch grünlich-gelblich-weiß, mittlerer Saftgehalt, mild süß, leicht aromatisch.
Baum
Der Baum der Neukirchener Butterbirne wächst stark und kommt daher auch noch bei einer Pflanzung im Grasland zurecht. Er bildet eine hochstrebende Krone mit dominierender Mittelachse und abkippenden Seitenästen, so dass insgesamt ein schlankes, spindelartiges Wuchsbild entsteht, ähnlich den Bäumen der Sorte Köstliche von Charneux. Ebenso wie die letztere kommt die Sorte deshalb auch gut für Straßen- und Wegepflanzungen in Betracht.
Verwechsler
Köstliche von Charneux, Gute Luise
Anbaueignung
Alles in allem ist die Sorte eine robuste Streuobstsorte mit guten Erträgen, deren Früchte auch noch als Tafelbirne akzeptabel sind. Erfahrungen aus anderen Regionen existieren mit der Sorte bislang jedoch nicht.
Neukirchener Butterbirne
Kurzbeschreibung vollständig?
ja
Basisdaten
Obstart
Birne
Pflückreife
September
Genussreife
September
Abbildungen
Baum in Blüte/Winter
Bildautor: Frank Gerber
Anbaubewertung
Anbaueignung
Alles in allem ist die Sorte eine robuste Streuobstsorte mit guten Erträgen, deren Früchte auch noch als Tafelbirne akzeptabel sind. Erfahrungen aus anderen Regionen existieren mit der Sorte bislang jedoch nicht.
Anbauempfehlung
Streuobstwiese
Verwendung der Früchte
Frischverzehr
Saft/Süßmost
Kennzeichnung (Spende o. ä.)
LVR-Netzwerk Umwelt/Biologische Stationen Rheinland