Gräling

Von Bann, 13. April 2015
Kurzbeschreibung
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
ja
Synonyme
Grähling, Greling, Gräuling
Reifezeit
Die Früchte des Gräling sind frisch vom Baum zwar auch als Tafelbirne zu genießen, aufgrund der sehr kurzen Haltbarkeit jedoch vor allem zur Verarbeitung zu Obstkraut, als Bratbirne oder zum Dörren verwendet worden. Sie werden Ende August / Anfang September geerntet und sollten direkt nach der Ernte verarbeitet werden.
Herkunft
Bei der Sorte Gräling, Grähling, Greling oder Gräuling handelt es sich um eine im Bergischen Land von alters her bekannte und einst recht verbreitete regionale Birnensorte von sehr typischem Aussehen. Erwähnt wird sie bereits 1843 von Ferdinand Rubens, Lehrer und Gutsbesitzer zu Hossenhaus bei Solingen, der in seinem Werk „Vollständige Anleitung zur Obstbaumzucht nebst einer systematischen Classification und Beschreibung der Obstsorten“ von der „Grelingsbirne“ berichtet: „Letztere ist hier allgemein verbreitet; zu Muß ist sie sehr geeignet. Die Bäume dieser Sorte werden sehr groß und sind ausgezeichnet“ (S. 344). Der Volksschullehrer Carl Hesselmann (1832 – 1902), engagierter Pomologe und Förderer des Obstbaus im Bergischen Land, schreibt in seiner Schrift „Leitfaden zur Obstkultur“ (1880) über den Gräling, es handle sich um eine „Wirtschaftsfrucht, die sich vorzüglich für die Obstkrautfabrikation, zum Trocknen und Kochen eignet“ und die wegen ihres starken und schlanken Wuchses „die anbauwürdigste aller Birnsorten in geeignetem Boden an die Chausseen und Kommunalwege des Bergischen Landes“ sei (S. 43).
Verbreitung
Die Sorte wurde noch bis in die 1950er Jahre im Bergischen Land gepflanzt. Ihre langlebigen, großen Bäume sind im Raum Düsseldorf / Solingen und im gesamten Bergischen Land noch heute gelegentlich in den Streuobstbeständen anzutreffen. Einige große alte Bäume stehen noch in der Urdenbacher Kämpe bei Haus Bürgel in der Nähe von Düsseldorf. In Baumschulen ist der Gräling heute nicht mehr erhältlich.
Frucht
Frucht klein bis mittelgroß, gedrungen birnenförmig bis stumpfkegelförmig, mittel-bis leicht kelchbauchig, kelchseitig abgerundet, zum Stiel hin verjüngt, oft nur einseitig etwas eingeschnürt; im Querschnitt fast rund. Die Frucht ist meist grossteils oder über die ganze Frucht graubraun berostet. Berostung flächig, fein schuppig, mit hell abgesetzten grauen, dicht verteilten Schalenpunkten. Kernhausachse offen, lang, ein Hohlraum. Samenfächer relativ groß, breit. Kernhausbegrenzung mittelweit ums Kernhaus, zum Kelch hin körnig. Kerne mittelgroß, ca. 9 : 4,5 (- 5) mm, schwarzbraun, flach, unten teils mit gebogener Spitze, oben ohne oder nur mit angedeuteter „Nase“. Teils auch taube Kerne vorhanden. Fruchtfleisch grünlich weiß, würzig süß, nicht schmelzend, schnell überlagert, dann mehlig, fad.
Baum
„Der Baum wächst gesund, wird eichengroß, bedarf fast keines Schnittes, ist recht fruchtbar und giebt ungemein große Erträge“, schreibt Carl HESSELMANN 1880 in seinem „Leitfaden zur Obstkultur (S. 43). In der Tat werden die Bäume des Gräling ausgesprochen mächtig, auch im Alter noch vital und auf Verjüngungsschnitt mit Neuaustrieb reagierend. Sie haben einen deutlich dominierenden Mittelstamm, daneben oft auch einen oder mehrere steil hochstrebende Leitäste.
Anbaueignung
Die Sorte wächst sehr gesund und ist wenig anfällig für Schorf und Obstbaumkrebs. Das Laub ist mittelgroß, speckig glänzend und mittel- bis dunkelgrün. Über die Befruchtungseigenschaften ist nichts bekannt; als vermutlich diploide Sorte müsste sie als Befruchter für andere Birnensorten geeignet sein. Der Gräling ist eine typische Verarbeitungsbirne, sehr gut als Bratbirne, zum Dörren und für die Krautherstellung geeignet. Mit dem Verschwinden der Krautfabrikation im Rheinland hat die Sorte – wie die meisten Krautbirnen – heute ihre Anbaubedeutung weitgehend verloren. Ein Wiederaufleben der bergischen Apfelkraut-Tradition oder eine Verarbeitung als Dörrobst könnte der Sorte wieder zu neuem Wert verhelfen. Ihre großen, gesunden und langlebigen Bäume bereichern noch heute das Landschaftsbild des Bergischen Landes.
Gräling
Kurzbeschreibung vollständig?
ja
Basisdaten
Obstart
Birne
Pflückreife
Ende August
September
Genussreife
sofort
Abbildungen
Baum im Laub
Bildautor: Daniele Mittendorf
Baum in Blüte/Winter
Bildautor: Ralf Badtke
Anbaubewertung
Anbaueignung
Der Gräling ist eine typische Verarbeitungsbirne, sehr gut als Bratbirne, zum Dörren und für die Krautherstellung geeignet. Mit dem Verschwinden der Krautfabrikation im Rheinland hat die Sorte – wie die meisten Krautbirnen – heute ihre Anbaubedeutung weitgehend verloren. Ein Wiederaufleben der bergischen Apfelkraut-Tradition oder eine Verarbeitung als Dörrobst könnte der Sorte wieder zu neuem Wert verhelfen. Ihre großen, gesunden und langlebigen Bäume bereichern noch heute das Landschaftsbild des Bergischen Landes.
Anbaueignung
allgemein robust
Anbauempfehlung
Streuobstwiese
Verwendung der Früchte
Kochen/Braten
Trocknen
Sonstiges
Kennzeichnung (Spende o. ä.)
LVR-Netzwerk Umwelt/Biologische Stationen Rheinland